You know what really grinds my gears: Unprofessionalität

Maximilian Wagner

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In der freien Wirtschaft ist Professionalität alles. Wenn der Kunde sich beschwert über eine fehlerhafte Lieferung, dann ist das kein persönlicher Angriff auf mich. Wenn die Preise meiner Firma zu hoch sind und der Kunde zur Konkurrenz geht, dann ist das nicht persönlich gemeint. Wenn der Kollege ein Problem mit meiner Arbeit anspricht, dann sagt das nichts über die private Freundschaft aus, sondern nur über meine  fehlerhafte Arbeit, die vielleicht seine Arbeit ebenfalls betrifft. Die privaten Probleme sollte man professionell, in einem produktiven Umfeld, auch möglichst vor der Tür lassen. Welcher Chef hat denn Verständnis, wenn ich den Kunden als ‚Idiot‘ bezeichne, weil ich einen Streit zu Hause hatte? Privates und Persönliches wird vom Arbeitsumfeld getrennt, so gut es nur irgendwie geht. Ein professioneller Umgang eben.

Auch die Uni ist zumindest in dieser Sache ein Betrieb, eine Stätte in der Menschen professionell wissenschaftlich zusammenarbeiten. Im Kurs sollte eigentlich nicht instruiert werden, sondern gemeinsam gelernt – mit professionellem Umgang miteinander. In der Vorlesung stellt jemand sein Wissen zur Verfügung und wird eben nur dafür bezahlt; nicht dafür, wieviele das Angebot nutzen. In Besprechungen zur Seminararbeit wird professionell an der Weiterentwicklung und Verbesserung gemeinsam gearbeitet.

Warum wird dann das Uni-eigene Videosystem immer noch so oft bei Vorlesungen nicht verwendet? Studierende, die verhindert sind, könnten sich den Stream daheim ansehen. Aber weil dann vielleicht weniger Studierende in die Vorlesung kommen könnten, wird dann oft darauf verzichtet – weil jede Person weniger im Hörsaal ein persönlicher Angriff auf den Dozent sei.

Warum werden in Skripten Lücken eingebaut? Um Studierende zu zwingen, in die Vorlesung zu gehen – weil manche es persönlich nehmen, wieviele Studierende in die Vorlesung kommen.

Warum wird das Abbrechen eines Kurses von Lehrveranstaltungsleiter persönlich genommen? Das kann doch viele andere Gründe haben.

Warum kommt es vor, dass jemand „persönlich enttäuscht“ von meiner Leistung ist? Warum kommt es vor, dass sich jemand persönlich von Aussagen über die Uni/den Kurs angegriffen fühlt? Warum nimmt es jemand persönlich, wenn ich noch nie einen Kurs bei ihm belegt habe? Warum nimmt es jemand persönlich, wenn ich mich 5 Minuten verspäte?  Warum nimmt überhaupt jemand etwas persönlich an der Uni, solange es um die Uni oder um den Kurs geht?
Warum kann man in der Uni nicht in jedem Fall auf Augenhöhe professionell miteinander reden? Wenn ich professionell sein kann, ohne Geld von der Uni zu bekommen, kann ich doch Professionalität von denen erwarten, die viel Geld bekommen dafür, oder?

Wenn ich etwas kritisiere, denn trenne ich sehr wohl zwischen Person und Problem. Wenn ich auf einen Fehler hinweise, dann werfe ich niemandem persönliche Inkompetenz vor, sondern es geht um einen bestimmten Fehler. Wenn ich Verhalten anspreche, dass meiner Meinung nach nicht in Ordnung ist, dann spreche ich nur dieses Verhalten an – es geht nicht um die Person als Ganzes. Eigentlich könnte man anstatt ‚professionell‘ auch ‚erwachsen‘ sagen.

Separate the people from the problem: „People tend to become personally involved with the issues and with their side’s positions. And so they will tend to take responses to those issues and positions as personal attacks. Separating the people from the issues allows the parties to address the issues without damaging their relationship. It also helps them to get a clearer view of the substantive problem.“
Roger Fisher and William Ury, Getting to Yes: Negotiating Agreement Without Giving In, (New York: Penguin Books, 1983).

Oftmals klappt der professionelle, erwachsene Umgang, aber gerade die sporadischen Gegenbeispiele bleiben doch im Gedächtnis.

Daher: You know what really grinds my gears? Unprofessionalität!