Oder: Wie man das Email-Chaos an der Uni zügeln könnte!

Information Overload

Ich öffne mein Uni-Postfach. Neue Newsletter – ständig neue Newsletter. Aussendung hier, Infomail dort. Ich bin überfordert. Alle Infos sind irgendwo verstreut, aber das Filtern alleine ist oftmals zu anstrengend. Das Überfliegen von Mails ist inzwischen Routine, innerhalb der ersten 10 Sekunden wird die Relevanz bewertet, knallhart und unumgänglich. Delete. Weg. Versuchspersonen-Newsletter – Papierkorb. Eine einzelne Praktikumsstelle, prekär bezahlt, mitten im Semester, in Berlin – ein echter Studiumskiller: ausgesendet an 18000 Studierende. Warum? Bib Newsletter: ich brauch grad nur die Ferienöffnungszeiten. GreenCampus Newsletter? Nein danke. Abbestellen von Newslettern nicht möglich. Und immer mehr Einzelaussendungen: Veranstaltung hier, Vortrag dort. Einzeln verschickt, immer wieder mit klarer Zielgruppenverfehlung. Emailaussendungen erinnern daher an den konstanten Einsatz von Breitbandantibiotika: es ist zu viel und man wird irgendwann immun dagegen.

Ergebnis: das konstante Gefühl der Überflutung, die konstante Angst etwas zu übersehen, aber nicht genug Anreiz nochmals nachzusehen. Eine ziel- und strukturlose Informationspolitik fordert eben ihren Tribut.

Und doch ist Email das Kommunikationsmedium Nr. 1 an der Uni – es wird also Zeit, dass dieses Kommunikationschaos neu gedacht wird.

Hier ist meine Wunschliste: anstatt ungefragter Überflutung über diverse Verteiler und Newsletter, die an Abteilungen hängen (z.B. VR Lehre, GreenCampus, PR), wünsche ich mir inhaltlich aufgeteilte Verteiler – und die Möglichkeit mich für Verteiler an- und abzumelden.

Dazu würde in meiner Vorstellung unter PlusOnline eine eigene Seite eingerichtet: „Newsletterverwaltung“. Dort sind die verfügbaren Newsletterverteiler aufgeführt, mit einem Knopf daneben über den ich mich an-/ abmelden kann für jeden einzelnen Newsletter.

Der neue Verteiler für Studienanfänger gibt nützliche Tipps und Tutorials über die Onlinesysteme der Uni. Ein studienspezifischer Verteiler gibt Infos zum jeweils eigenen Studium. Ein Lehramtsverteiler informiert über Schulpraktika, Regelungen im Lehramt und wichtige Termine. Ein Veranstaltungskalender für akademische Vorträge verschickt wöchentlich eine Auflistung der akademischen Vorträge. Und beim CareerCenter Newsletter erfahre ich, wie ich dann den Sprung von der Uni in die Karriere schaffe.

Doch ich kann endlich die Verteiler wählen, die ich auch wirklich zu diesem Zeitpunkt haben möchte. Denn während des Studiums können sich die Interessen auch ändern. Was im ersten Semester interessant war, ist im 8. Semester eventuell bereits irrelevant geworden. Oder vielleicht möchte ich mehr Infos aus einem bestimmten Bereich haben, obwohl ich das gar nicht studiere? Ein neues System würde es endlich möglich machen.

Neue Verteiler und Kommunikationsstrukturen brauchen aber auch noch etwas anderes: Kommunikationsdisziplin. Denn viele Leute zu erreichen ist ein begehrtes Gut – das auch entsprechende Türsteher braucht. Wer eine Veranstaltung an der Uni organisiert denkt sich häufig: viel hilft viel, besonders bei der Verbreitung per Mail. Schlimmer noch: obwohl die Information objektiv betrachtet vielleicht höchstens eine Nischengruppe anspricht, wird es aktuell zu oft einfach an ALLE ausgeschickt. Das muss aufhören. Wer einen Verteiler verwaltet, verwaltet ein zartes Pflänzchen und muss behutsam damit umgehen. Und dazu gehört auch das knallharte „Nein“, wenn es um Beiträge geht, die nicht hineinpassen.

Am Ende erreichen somit alle ihre entsprechende Zielgruppe weitaus besser, und alle anderen werden verschont vor der ehemals ungezügelten Emailflut. Und doch habe ich dann das Gefühl: ich bekomme, was aktiv gewählt habe und ich habe die Kontrolle. Der Informationsdschungel würde sich dadurch endlich lichten. Ordnung kehrt ein, wo Chaos herrschte. Das ist keine große Revolution, sondern nur eine Anpassung an moderne Kommunikationsstandards. Zeit wird’s!