Salzsäure

Salzburg. Studi. Kritisch.

Die Salzburg Summer School – „Menschen machen Schule“: Ein Erlebnisbericht

Es ist Montag, der 1. September, 8 Uhr morgens. Nachdem in der Nacht vom Sonntag auf den Montag bereits der August auf den September gewechselt hat, rückt auch im Kopf das Ende der Semesterferien immer näher. Trotzdem ist 8 Uhr morgens doch recht früh, bedenkt man, dass man bereits den Anfahrtsweg nach Salzburg hinter sich hat und bereits vor 7 Uhr aufgestanden ist. Mitten in den Semesterferien. Ich hatte schon Angst, dass ich dank Ferien-Schlafrhythmus zu spät komme, oder  gar den Termin übersehe. Hoffentlich lohnt sich das frühe Aufstehen für die Salzburg Summer School.

Denn heute am Unipark ist heute schon Leben eingekehrt, schließlich startet heute die 2. Salzburg Summer School der School of Education. Das Konzept Summer School ist dabei schnell erklärt: die Semesterferien (beziehungsweise vorlesungsfreie Zeit; beim lebenslangen Lernen gibt es ja keine „Ferien“…) werden dafür genutzt, zusätzlich zu den Lehrveranstaltungen während des Semesters, weitere Workshops, Kurse oder Seminare anzubieten. Im Fall der Salzburg Summer School sind dies Kurse für Lehramts-StudentInnen, angehende LehrerInnen oder bereits LehrerInnen mit vielen Dienstjahren. Eine Weiterbildung eben, in der es neben Fachvorträgen, Podiumsdiskussionen eben auch Workshops zu belegen gibt, je nach Interesse oder Weiterbildungsbedarf. Von allgemeinen, bis hin zu fachspezifischen Themen ist für jeden etwas dabei.

Ich habe mich bereits im Juni für die Summer School angemeldet, meine Workshops gewählt:

  1. Prezi.com – Eine neue Art der Präsentation
  2. Demographischer Wandel. Wie sich unsere Gesellschaft verändern wird
  3. „Social Web im Unterricht“ – Facebook und Co. verstehen und verantwortungsvoll nutzen

Für jeden der drei Summer School Tage einen Workshop. Vieles Andere hätte mich auch interessiert, aber irgendwo muss man sich entscheiden (bis die Wissenschaft herausgefunden hat, wie ich an zwei Orten zur selben Zeit sein kann). Ich bin also bespannt, auf das Kommende.

Aber nicht so schnell. Erst einmal durch die Schiebetüren des Uniparks gestapft. Ein kurzer Rundblick verrät mir: die Empore im ersten Stock ist schon mit Ausstellungsständen gespickt, die Registrierungsstelle befindet sich auch im 1. Stock. Erstmal einchecken:

  • Namen auf der Liste abhaken lassen.
  • Einen Welcome Bag in die Hand bekommen (Neben Katalogen für Unterrichtsmaterialien, Schulartikelbedarf, Bücher und allgemeine Lehrer_innen-Ausrüstung gibt es noch einen Block, Stifte, eine Zettelmappe… ja sogar einen Gutschein für ein Bier entdecke ich)
  • Nochmals die genauen Räume der Workshops notieren

Prima. Dann kann es ja losgehen.

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Mit mir versammeln sich immer mehr Teilnehmer_innen in der Eingangshalle und der Empore, man begutachtet die Aussteller, die allesamt Schulbücher und Unterrichtsmaterialen verkaufen und Ansichtsexemplare mitgebracht haben. Man redet über die Schule, den Alltag als Lehrer_in. Ich treffe aber auch überraschend viele Studierende. Die meisten sind das erste Mal dabei, wie ich ebenfalls gespannt, wie das so wird, wie das so abläuft. Einige Mitstudierende aus der Anglistik, stelle ich fest, treffe ich gleich nach dem Eröffnungsvortrag im Prezi Workshop wieder, die meisten Geographen werde ich dann am Dienstag zum „Demographischen Wandel“ wieder sehen. Noch schnell einen Kaffee, dann drängt auch alles in den Hörsaal. Vorne am Pult steht Matthias Baer von der Pädagogischen Hochschule Zürich. Es geht um eine Studie, in der sowohl die Ausbildung an pädagogischen Hochschulen in Österreich und der Schweiz miteinander verglichen werden, als auch die Kompetenzveränderung während des Berufseinstiegs – also während man dann von einer erfahrenen Lehrperson an der Schule betreut wird. Der Vortrag betrifft jeden im Raum: Studierende und ihre Lehramtsausbildung, die Lehrerinnen und Lehrer im Raum, die Lehrenden im Hochschuldienst. Es macht also doch einen Unterschied, auf welcher Universität man ist, welche Methoden dort gelehrt werden. Es wird auch in Studien sichtbar hinsichtlich Medienkompetenz, Selbstsicherheit und Lehrmethoden. Auch werde ich mal wieder daran erinnert, dass man im Lehramtsstudium viel zu wenig über Statistik lernt; wir werden eben doch eher als Praktiker ausgebildet.

Im Anschluss gibt es eine Podiumsdiskussion über die Erfahrungen in der Lehramtsausbildung und den gehörten Vortrag. Das Publikum beteiligt sich rege, viele Fragen drehen sich auch auch um die Entlohnung von Lehrkräften an der Schule, die Ausbildung, die Ausbildungsreformen durch BA und MA System im Lehramt. Anscheinend brennende Fragen, endlich die Möglichkeit, diese an die richtige Stelle zu tragen. Schließlich ist auch der Landesschulrat Herr Plötzeneder anwesend und kann zu Lehrermangel und Bezahlung von Lehrkräften etwas sagen. Ein höheres Einstiegsgehalt im neuen Lehrerdienstrecht sei für ihn dabei ein Fortschritt, jedoch dürfe das Gehalt auf das gesamte Erwerbsleben bezogen nicht sinken.

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12 Uhr: Mittagspause. Zeit für etwas zu essen, oder einen Kaffee. Die Workshops beginnen bereits um 13.30 Uhr, verteilt auf die Gebäude der Naturwissenschaftliche Fakultät, der pädagogischen Hochschule und des Uniparks. Zeit nochmal die richtige Raumnummer an den Aushängen zu überprüfen. Es sieht ganz so aus, als würde ich das erste Mal die pädagogische Hochschule besuchen.

Der starke Regen vermiest den kleinen Spaziergang zu den anderen Gebäuden nicht nur für mich. Zum Glück gibt es in jedem Gebäude gut Ausschilderungen, oder, wie an der PH, sogar einen eigenen Infopoint. Der Computerraum für den Prezi-Workshop ist also schnell gefunden. Für diejenigen, die davon noch nie gehört haben: Prezi ist ein Präsentationsprogramm ähnlich Powerpoint, aber mit dynamischen Übergangen und mehr Spielraum – sehr vereinfacht gesagt. In der Reihe hinter mir sitzt ein Dozent der Universität. Ich drehe mich um und scherze: „Ab jetzt gibts keine Powerpoints mehr, sondern nur noch Prezi-Präsentationen im Kurs, oder?“ Nach einer kurzen Einführung geht es tatsächlich los, es wird frei herumgespielt, die ersten Präsentationen werden erstellt. Mit vielen Effekten und Übergängen. Noch nicht ganz perfektioniert, aber in 3 Stunden sitzen bei jedem im Kurs die Grundlagen. Ich glaube fast, an vielen Schulen und in vielen Unikursen gibt es Zukunft die ein oder andere Prezi-Präsentation. 17 Uhr: Der erste Tag ist vorbei, ich bin müde, auch weil im Gebäude der PH kein Kaffeeautomat weit und breit zu finden war; „wie überlebt ihr dort tagtäglich?“ schwebt mir im Kopf herum, als ich nach Hause fahre und dort nochmals meine Präsentationen aus dem Kurs bewundere.

Tag 2: heute muss ich mich nicht mehr registrieren, also reicht es, um 9 Uhr am Unipark zu sein. Natürlich weiß ich das nicht, bin also wieder pünktlich um 8 Uhr am Unipark. Viel zu früh. Macht nichts, ich kann durch die Ausstellungsreihen schlendern und freue mich umso mehr über jedes bekannte Gesicht, das mit der Zeit eintrifft.  Außerdem kann ich beobachten, wie sich der Unipark schlagartig mit Scharen an jungen Leuten füllt. Psychologie-Einstufungstest, erfahre ich von einer Kollegin der STV Psychologie. Hunderte Anmeldungen, man müsse mehrere Hörsäle am Unipark und der NaWi hernehmen, um alle gleichzeitig zu testen.

Um 10 Uhr beginnt also für die angehenden Psychologen und Psychologinnen ihr Test, für mich geht die Summer School mit einem Vortrag über das Schulsystem weiter. Zentrale Frage: „Wie kann das Schulsystem Professionalisierung unterstützen, und wie können die Personen innerhalb des Schulsystems Professionalisierung vorantreiben“. Vieles, was Schulentwicklung und Führungsstile betrifft, scheint dabei die volle Zustimmung des Publikums zu treffen, lediglich die These, dass das eigentliche Schulsystem wenig mit den Möglichkeiten der Professionalisierung zu tun hätten (wie ein internationaler Vergleich gezeigt hätte) wurde vom Publikum mehrfach in der anschließenden Diskussion aufgenommen. Scheinbar waren davon noch nicht alle überzeugt. Doch Frau Mulder von der Universität Regensburg erläuterte ausführlich ihre Gründe für die These und griff diese anschließend auch in der Podiumsdiskussion nochmalig auf. Ein bisschen Kontroverse hat ja noch nie geschadet.

Im Workshop über den demographischen Wandel traf ich tatsächlich viele meiner Geographie Kollegen und Kolleginnen wieder. Scheinbar hat sich hier die gute Werbung an der Uni bezahlt gemacht, fast ausschließlich Studierende im Kurs. Wir diskutieren die Statistiken zum demographischen Wandel, gehen durch verschiedene Datenquellen und wie man diese an der Schule benutzen kann. Auch Poster und Bücher der Statistik Austria dürfen wir gratis mitnehmen – praktisch zum schnellen nachschlagen. Dann ist auch der zweite von drei Tagen schon wieder um.

Der letzte Tag startet. Heute bin ich sogar mal nicht zu früh, sondern erst gegen 9.30 Uhr an der NaWi. Es geht um Facebook und Web 2.0. Wieder mal sind weit mehr Studierende im Kurs als LehrerInnen, auch heute vergeht die Zeit schnell. Wir diskutieren über Facebook, die Benutzung von Blogs und Wikis im Unterricht, reden über unsere eigene Nutzung von Social Media.

Also, wer Lust bekommen hat: im nächsten Jahr soll es wieder eine Salzburg Summer School geben.

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Maximilian Wagner • September 14, 2014


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